die Truppe
die figuren — la commedia dell'arte
Im Italien des 16. Jahrhunderts auf fahrenden Bühnen geboren, hat die Commedia dell'Arte dem Theater seine lebendigsten Masken geschenkt: listige Diener, redselige Doktoren, geizige Alte und verträumte Liebende.
Jede unserer Figuren verkörpert eine Stadt, eine Region — und deren Küche. Eine nach der anderen betritt die Bühne und stellt das aktuelle Regionalmenü zusammen.

Napoli · Kampanien
Pulcinella
Pulcinella wurde Anfang des 17. Jahrhunderts auf den Bühnen Neapels geboren, erdacht vom Schauspieler Silvio Fiorillo: die Seele Neapels als Maske, mit Hakennase, schwarzer Halbmaske, weitem weißem Hemd und Zuckerhut-Mütze. Faul und gerissen, melancholisch und lachlustig zugleich, spricht er mit näselnder Stimme aus, was das Volk nur denkt. Ewig hungrig, träumt er allein von Maccheroni — und isst sie zur Not mit den Fingern, mitten auf der Bühne. In ihm steckt der ganze Appetit Kampaniens: Spaghetti alle vongole, duftend nach Knoblauch und Meer, und Parmigiana di melanzane, goldbraun und zart schmelzend wie ein neapolitanischer Nachmittag.
Auf dem Tisch
- Spaghetti alle vongole
- Parmigiana di melanzane
- Babà al rum

Bologna · Emilia-Romagna
Il Dottor Balanzone
Der Dottor Balanzone stammt aus Bologna, aus dem Schatten der ältesten Universität Europas, deren Gelehrsamkeit er — in schwarzer Robe und weißem Kragen — ein wenig zu redselig verkörpert. Dieser Möchtegern-Gelehrte der Commedia dell'Arte, entstanden im 16. Jahrhundert, ertränkt sein Publikum in Tiraden voller Küchenlatein, ohne je Luft zu holen. Doch unter der Robe des Pedanten schlägt das Herz eines echten Bolognesers, mehr Genießer als Gelehrter. Denn in Bologna, „der Fetten", wird wahre Weisheit gekostet: Tortellini in brodo, gefaltet wie kleine Geheimnisse, und Tagliatelle al ragù — die am besten gelernte Lektion der Emilia.
Auf dem Tisch
- Tortellini in brodo
- Tagliatelle al ragù
- Lasagne verdi alla bolognese

jetzt im Rampenlicht
Roma · Latium
Meo Patacca
Meo Patacca entsprang 1695 der Feder des Dichters Giuseppe Berneri, der ihn zum draufgängerischen Helden eines Poems im römischen Dialekt machte. Ein Bramarbas aus Trastevere, ebenso schnell mit der Klinge wie mit dem Weinglas, stellt er eine Truppe auf, um das belagerte Wien zu befreien — und feiert den Sieg am Ende in den Tavernen Roms. Unter dem Wams des Raufbolds schlagen ein großzügiges Herz und eine durch und durch römische Zunge. Wie er ist auch die Küche des Latium ehrlich und ohne Schnörkel: Bucatini all'amatriciana, gewürzt mit Guanciale, und Saltimbocca alla romana, die ihrem Namen gemäß „in den Mund springen".
Auf dem Tisch
- Bucatini all'amatriciana
- Saltimbocca alla romana
- Carciofi alla romana

Milano · Lombardei
Meneghino
Meneghino erblickte Ende des 17. Jahrhunderts in Mailand das Licht der Welt, in den Dialektkomödien von Carlo Maria Maggi. Sein Name kommt von „Domenichino", dem kleinen Diener, den man sich sonntags leistete; doch dieser Diener spielt mit unbedecktem Gesicht, ganz ohne Maske, mit Dreispitz und rot-weiß gestreiften Strümpfen. Aufrichtig, treu und aufmüpfig wurde er zum Wahrzeichen der Mailänder und verkörperte ihren Geist während der Fünf Tage von 1848. Sein Tisch ist wie er selbst, golden und großzügig: ein safrangelbes Risotto alla milanese und ein Ossobuco, das in aller Ruhe schmort — ganz Mailand auf einem Teller.
Auf dem Tisch
- Risotto alla milanese
- Ossobuco alla milanese
- Cotoletta alla milanese

Torino · Piemont
Gianduia
Gianduia entstand um 1798 in den Händen der Puppenspieler Sales und Bellone, die aus diesem piemontesischen Landmann — mit Zopfperücke, Dreispitz und brauner, rot gesäumter Jacke — das verschmitzte Sprachrohr Turins machten. Sein Name kommt von „Gioan d'la doja", Hans mit dem Weinkrug: ein Ehrenmann, der guten Wein, gesunden Menschenverstand und gutes Essen liebt. Er wurde so beliebt, dass 1865 eine Haselnuss-Schokolade seinen Namen erhielt: das Gianduiotto. Das feine Piemont gleicht ihm, elegant und tiefgründig: Vitello tonnato unter seidiger Sauce und Tajarin al ragù, fein wie goldene Spitze.
Auf dem Tisch
- Vitello tonnato
- Tajarin al ragù di vitello
- Bônet piemontese

Putignano · Apulien
Farinella
Farinella ist das Kind des Karnevals von Putignano in Apulien — einer der ältesten Europas, dessen Feste bis ins Jahr 1394 zurückreichen. Sein Name ist eine Hommage an den Genuss: Farinella heißt das Mehl aus gerösteten Kichererbsen und Gerste, das die Bauern einst mit aufs Feld nahmen. Im bunten Flickenkostüm und mit Schellenkappe verkörpert dieser springlebendige Spaßmacher die ansteckende Lebensfreude des Südens. Eine Freude, die man in der apulischen Küche schmeckt, schlicht und sonnendurchflutet: handgeformte Orecchiette alle cime di rapa und die goldbraun überbackene Tiella di riso, patate e cozze — wie an einem Festtag.
Auf dem Tisch
- Orecchiette alle cime di rapa
- Tiella di riso patate e cozze
- Burrata di Andria

Sciacca · Sizilien
Beppe Nappa
Beppe Nappa ist die Maske Siziliens: ein verträumter, träger Diener, der in einem viel zu großen graublauen Kostüm mit endlosen Ärmeln steckt. Stets bereit zu schlafen oder einen Happen zu stibitzen, erwacht er mit einem gewaltigen Sprung, sobald vom Essen die Rede ist. Sciacca machte ihn zum König seines Karnevals: Jedes Jahr eröffnet und beschließt sein riesiger Festwagen das Fest, das in einem großen Freudenfeuer endet. Sein Reich ist das der sizilianischen Aromen: Pasta alla Norma, gekrönt von Ricotta salata, und knusprige Cannoli mit süßer Ricotta — genug, um Beppe aus dem tiefsten Schlaf zu holen.
Auf dem Tisch
- Pasta alla Norma
- Caponata di melanzane
- Cannoli siciliani

Firenze · Toskana
Stenterello
Stenterello, der jüngste der großen italienischen Masken, wurde Ende des 18. Jahrhunderts in Florenz vom Schauspieler Luigi Del Buono erschaffen. Dürr wie eine Bohnenstange — sein Name kommt von „stento", der Entbehrung — trägt er Zopfperücke, buntes Gewand und zwei verschiedene Strümpfe. Ängstlich, aber großherzig, entschärft er jedes Drama mit einem echt toskanischen Geistesblitz. Seine Revanche gegen den Hunger nimmt er am toskanischen Tisch: eine dicke, über dem Feuer gebratene Bistecca alla fiorentina oder eine Ribollita, in der das Brot von gestern zum Schatz von heute wird.
Auf dem Tisch
- Bistecca alla fiorentina
- Ribollita
- Pappa al pomodoro

Venezia · Venetien
Arlecchino
Arlecchino, der berühmteste der Zanni, ist ein Sohn Bergamos: ein Diener aus den Tälern, mit leerem Magen und ständig in Bewegung. Sein Rautenkostüm erzählt seine Legende — ein Gewand aus geschenkten Flicken, das zum schillerndsten des Theaters wurde. Akrobat, ewig hungrig, naiv und listig zugleich, triumphierte er mit Tristano Martinelli am französischen Hof, bevor er bei Goldoni zwei Herren diente. Seinen legendären Hunger weiß Bergamo zu stillen: mit Casoncelli alla bergamasca in Salbeibutter und Polenta taragna, cremig vom Bergkäse.
Auf dem Tisch
- Casoncelli alla bergamasca
- Polenta taragna
- Polenta e osei